Frauen in Afghanistan und die Verantwortung der Weltgemeinschaft
21 Oktober|19:00 - 21:30

Podiumsdiskussion
Frauen in Afghanistan und die Verantwortung der Weltgemeinschaft
Datum Mittwoch, 21. Oktober 2026
Uhrzeit 19:00 – 21:30 Uhr
Ort Seidlvilla
Grußwort Dr. Stephan Dünnwald
Moderation Dr. Corina Toledo, FKP e.V.
Referentinnen Mahbuba Maqsood / Laya Rahmany NabilaLalee
Die Rechte von Frauen sind keine kulturelle Frage, sondern universelle Menschenrechte.
Veranstalter: Bellevue di Monaco in Kooperation mit Frau-Kunst-Politik e.V.
Was geschieht, wenn geopolitische Strategien über Menschenleben gestellt werden?
Die Veranstaltung möchte Raum schaffen für Austausch, Perspektiven und neue Denkanstöße – ohne einfache Antworten vorzugeben. Wir laden Sie herzlich ein, mitzudiskutieren, zuzuhören und gemeinsam Perspektiven zu entwickeln. Denn Wegsehen ist keine Option.
Frauenrechte sind keine kulturelle Frage, sondern universelle Menschenrechte. Zwischen Machtpolitik und Menschenrechten
Was geschieht, wenn geopolitische Strategien über Menschenleben gestellt werden? Wenn Machtinteressen wichtiger sind als Würde, Sicherheit und Zukunft? Politische Entscheidungen sind keine abstrakten Planspiele – sie entscheiden darüber, wer leben darf, wer verstummt und wessen Existenz ausgelöscht wird.
Am Beispiel von Afghanistan zeigt sich in brutaler Klarheit, wie schnell Rechte verschwinden können, die über Jahrzehnte erkämpft wurden. Bildung, Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe – für Frauen sind sie dort innerhalb weniger Monate wieder zu verbotenen Möglichkeiten geworden. Doch Afghanistan ist kein Einzelfall. Weltweit kämpfen Frauen um ihr Land, ihre Körper, ihre Kinder. Sie werden kriminalisiert, vertrieben oder ermordet, weil sie sich gegen Gewalt, gegen Landraub, gegen Umweltzerstörung oder gegen ein Wirtschaftssystem stellen, das Profite über Leben stellt und Macht in den Händen weniger konzentriert – meist in den Händen von Männern.
Mit der gesetzlichen Verankerung von Gewalt hat das Regime der Taliban Anfang des Jahres eine neue Eskalationsstufe erreicht. Ein Strafgesetzbuch, das Männer zu Vollstreckern erklärt und Frauen zu Besitz degradiert. Körperliche Bestrafung durch Ehemänner wird legitimiert. Bewegungsfreiheit wird kriminalisiert. Frauen werden juristisch zu Objekten erklärt. Gewalt ist damit nicht mehr nur Realität – sie ist nun Gesetz.
Die Stimmen von Frauen wie der Filmemacherin Siba Shakib machen deutlich: Krieg, Machtpolitik und ökonomische Interessen enden nicht auf diplomatischen Bühnen. Sie landen in Küchen, Klassenzimmern, Fluchtlagern und Massengräbern. Sie bestimmen, ob Mädchen lesen lernen dürfen, ob Mütter ihre Kinder schützen können, ob Frauen überhaupt sichtbar sein dürfen.
Die Rechte von Frauen sind nicht verhandelbar.
Referentinnen: Mahbuba Maqsood / Laya Rahmany Nabila Lalee
Mahbooboa Maqsoodi
Mahbooboa Maqsoodi ist eine renommierte deutsch-afghanische Künstlerin und Autorin. In der afghanischen Stadt Herat erlernte sie die traditionelle persische Miniaturmalerei, bevor sie später Kunst in Sankt Petersburg studierte. 1994 erhielt sie in Deutschland politisches Asyl.
Internationale Bekanntheit erlangte sie insbesondere durch die Gestaltung von 29 Künstlerfenstern für die Abtei Tholey, die zu den bedeutendsten zeitgenössischen Glasfensterzyklen Europas zählen. Neben ihrem künstlerischen Schaffen setzt sie sich seit vielen Jahren mit großem Engagement für Frauen- und Menschenrechte ein. So gründete sie unter anderem den Verein Afghanische Frauen in München. Für ihr herausragendes gesellschaftliches Engagement wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bayerischen Verdienstorden.
Freiheit beginnt dort, wo Menschen den Mut finden, die Ketten abzulegen, die sie selbst gefangen halten – und die Ketten zu erkennen, die sie anderen anlegen. Erst im Bewusstsein der eigenen Würde und der Verantwortung für das Gegenüber wird Freiheit mehr als ein Wort: Sie wird zu einer Haltung. Der Weg dorthin führt über Bildung.
Es ist beschämend, dass die internationale Gemeinschaft den Ereignissen in Afghanistan weitgehend zusieht und in Teilen sogar mit den Taliban kooperiert. Schweigen und Anpassung verleihen der Unterdrückung Dauer.
Vielleicht ist die Kunst der letzte wirklich freie Raum. Ein Raum, in dem keine Macht das Denken beherrschen kann. Sie hält den Menschen den Spiegel vor – nicht, um sie zu verurteilen, sondern damit sie sich selbst erkennen, ihre Verantwortung annehmen und den Mut finden, Freiheit nicht nur zu fordern, sondern zu leben.
Jeder Schritt – so klein er auch erscheinen mag – bedeutet für die Menschen, insbesondere für die Frauen in Afghanistan, unendlich viel. Er gleicht einem Tropfen Wasser für Verlassene in der Wüste: Allein vermag er den Durst nicht zu stillen, doch er schenkt Hoffnung und hilft, das Leben zu bewahren.
Genau darin liegt die Bedeutung unseres kleinen, aber wertvollen Austauschs. Vielleicht können wir die Wüste nicht in einen Garten verwandeln. Doch wir können den Durstenden eine Stimme geben – und dafür sorgen, dass ihr Ruf nicht im Schweigen verhallt.
Nabila Lalee
Als deutsche Journalistin hat ihren Fokus auf Afghanistan und Pakistan. In ihrer Berichterstattung beleuchtet sie die politische und humanitäre Lage nach der erneuten Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Sie leitete mehr als drei Jahre lang das Regionalbüro in Islamabad für die Deutsche Presse-Agentur und berichtete in dem Zusammenhang regelmäßig über das Schicksal von Afghaninnen und Afghanen, die im Zusammenhang mit dem Bundesaufnahmeprogramm in Pakistan auf ihre Einreise nach Deutschland warten. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.
Für ihre Reportagen reiste sie mehrfach nach Afghanistan und berichtete dort unter anderem über die Lage der Frauen in dem Land unter den Taliban. Zuletzt war sie mehrere Monate vor Ort und gewann intensive Einblicke in das Leben der Menschen unter der Taliban-Herrschaft. Nabila Lalee ist im Ruhrgebiet als Tochter eines afghanischen Vaters und einer polnischen Mutter aufgewachsen.
Warum ich die Veranstaltung wichtig finde: Während die Taliban die Rechte der Frauen in Afghanistan immer weiter einschränken, verstärkt die Bundesregierung ihre Zusammenarbeit mit den Machthabern in Kabul für ihre innenpolitische Interessen. Das Schicksal der Menschen – insbesondere der Frauen – in Afghanistan droht dabei aus dem Fokus zu geraten. Afghaninnen stellen sich auf vielfältige Weise den Repressionen des Taliban-Regimes entgegen, doch kämpfen mit immer mehr Restriktionen. Wir müssen weiter hinschauen und afghanischen Frauen das Signal geben, dass wir ihren Kampf um Selbstbestimmung wahrnehmen.
Laya Rahmany
„Wo die systematische Auslöschung der Frau per Gesetz legitimiert wird, sprechen wir nicht von Tradition, sondern von Geschlechter-Apartheid, und vor dieser darf es keine geopolitische Neutralität geben.“ Laya Rahmany
Als angehende Juristin, Aktivistin und ehemalige Vorständin für Human Rights beim juristischen Verein ELSA verbinde ich die rechtliche Analyse internationaler Schutzstandards mit einer tiefen gesellschaftspolitischen Pflicht. Mein Weg begann in der zivilgesellschaftlichen Arbeit mit Geflüchteten bei den Vereinen DIFI und Wave Of Hope; heute kämpfe ich auf Demonstrationen und in Fachgremien für die Rechte der Frauen und Mädchen in Afghanistan. Durch meine Familie vor Ort erlebe ich die tägliche Realität eines Regimes, das Frauen systematisch aus der Gesellschaft tilgt. Es ist mein Anliegen, insbesondere die junge Generation für die globale Unteilbarkeit der Menschenrechte zu sensibilisieren und denjenigen eine Stimme zu geben, die systematisch mundtot gemacht werden.
Warum ich die Veranstaltung wichtig und notwendig finde: Das Regime der Taliban führt uns in brutalster Konsequenz vor Augen, wie schutzlos Grundrechte werden, wenn Machtpolitik über Menschenleben gestellt wird. Die jüngste gesetzliche Kodifizierung von Gewalt gegen Frauen ist kein lokales Sonderthema und keine „kulturelle Eigenheit“, sie ist ein zivilisatorischer Rückschritt, der unser aller Schweigen hinterfragt.
Diese Veranstaltung von Frau Kunst Politik e.V. ist von unschätzbarer Wichtigkeit, weil sie dem gefährlichsten Verbündeten des Unrechts entgegentritt: der schleichenden Gewöhnung. Sie holt das Schicksal von Millionen Frauen aus der Abstraktion geopolitischer Schlagzeilen zurück in das Zentrum unseres ethischen Bewusstseins. Sie schafft Raum für den dringenden Diskurs darüber, wie aus Betroffenheit konkrete Haltung und internationales Handeln erwachsen können. Wegsehen ist ein Privileg, das wir uns nicht mehr leisten dürfen, und genau hier setzt dieses Forum ein unmissverständliches Zeichen.