Statements von frau-kunst-politik e. V.
Gegen die "Architekten der Macht"! Globaler Feminismus ist ein Ansatz innerhalb der Frauenbewegung, der die Befreiung der Frau als ein weltweites Anliegen betrachtet. Dabei geht es nicht...
… nur um die Gleichstellung in einem bestimmten Land, sondern um die Überwindung von Unterdrückungssystemen, die Frauen auf der ganzen Welt betreffen – allerdings unter Berücksichtigung ihrer jeweils unterschiedlichen Lebensrealitäten.
Kernaspekte, die den globalen Feminismus definieren:
1. Überwindung des „Westzentrismus“
Lange Zeit wurde der Feminismus stark von den Perspektiven weißer Frauen aus Industrienationen geprägt (oft als „Eurozentrismus“ bezeichnet). Globaler Feminismus kritisiert das und betont:
– Frauen im Globalen Süden haben oft andere Prioritäten (z. B. Zugang zu sauberem Wasser, Schutz vor Landraub oder Folgen des Kolonialismus) als Frauen im Globalen Norden (z. B. Gläserne Decke in Konzernen).
– Es gibt kein „universelles Frausein“, das für alle gleich ist.
2. Intersektionalität auf Weltebene
Ein zentraler Pfeiler ist die Intersektionalität. Das bedeutet, dass verschiedene Diskriminierungsformen ineinandergreifen. Globaler Feminismus schaut darauf, wie Geschlecht mit anderen Faktoren kombiniert wird:
– Rassismus und koloniale Erbschaften.
– Klassenunterschiede und ökonomische Ausbeutung (z. B. in der Textilindustrie, Agrarindustrie, Beauty, etc. ).
– Kultur, Nationalität und Aufenthaltsstatus.
3. Kritik an globalen Machtstrukturen
Globaler Feminismus ist oft systemkritisch. Er analysiert, wie der globale Kapitalismus und die neoliberale Wirtschaftspolitik Frauen besonders hart treffen.
Beispiel: Wenn westliche Unternehmen ihre Produktion in Länder mit niedrigen Sozialstandards auslagern, sind es meist Frauen, die unter prekären Bedingungen arbeiten. Ein globaler Feminismus fordert hier grenzüberschreitende Solidarität.
4. Gemeinsame Ziele trotz Differenz
Trotz aller Unterschiede gibt es universelle Themen, die global vernetzt angegangen werden:
– Selbstbestimmung über den eigenen Körper: Kampf gegen sexualisierte Gewalt und für reproduktive Rechte.
– Politische Teilhabe: Frauen in Entscheidungsprozesse weltweit einzubinden.
– Bildung: Der Zugang zu Schulen und Universitäten als Schlüssel zur Autonomie.
Zusammenfassung der Perspektiven
Fokus |
Klassischer (westlicher) Feminismus |
Globaler Feminismus |
Hauptziel |
Rechtliche Gleichstellung, Karriere |
Umfassende Befreiung von Patriarchat & Kolonialismus |
Themen |
Gender Pay Gap, Quoten |
Landrechte, faire Arbeit, Antirassismus, Basisversorgung |
Ansatz |
Fokus auf das Individuum |
Fokus auf globale Strukturen und Kollektivität |
Um die Theorie des globalen Feminismus greifbarer zu machen, schauen wir uns zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen kraftvolle Bewegungen an. Sie zeigen perfekt, wie lokale Kämpfe globale Bedeutung erlangen.
1. Ökofeminismus in Lateinamerika: „Territorio-Cuerpo“
In vielen lateinamerikanischen Ländern (z. B. Chile, Mexiko, Guatemala, Kolumbien, Brasilien, etc.) hat sich ein Feminismus entwickelt, der den Schutz der Umwelt untrennbar mit dem Schutz des weiblichen Körpers verbindet.
– Das Konzept: Aktivistinnen nutzen den Begriff „Territorio-Cuerpo-Tierra“. Sie argumentieren, dass die Ausbeutung der Natur (durch Bergbau oder Abholzung) dieselbe Wurzel hat wie die Gewalt gegen Frauen: ein patriarchales System, das sich Ressourcen gefügig macht.
– Der Kampf: Es geht hier nicht um eine „Gläserne Decke“ im Büro, sondern um das nackte Überleben, den Zugang zu sauberem Wasser und den Erhalt von indigenem Land.
– Bekanntes Beispiel: Die 2016 ermordete honduranische Aktivistin Berta Cáceres, die den Kampf gegen einen Staudamm anführte und heute weltweit als Ikone des ökologischen globalen Feminismus gilt. Auch Frauen aus den Urvölkern sind immer wieder Opfern dieser Extrativismus bzw. Neokolonianismus.
2. Die „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung im Iran
Die Proteste, die 2022 nach dem Tod von Jina Mahsa Amini begannen, sind ein Paradebeispiel für modernen globalen Feminismus, der Grenzen überschreitet.
– Intersektionalität: Die Bewegung startete in den kurdischen Gebieten (Minderheitenrecht) und weitete sich auf das ganze Land aus. Es ging nicht nur um das Kopftuch, sondern um die Befreiung von einer religiösen Diktatur, die Kontrolle über Körper ausübt.
– Globale Solidarität: Die Slogans (Jin, Jiyan, Azadî) wurden weltweit in Berlin, New York und Tokio skandiert. Hier zeigt sich die globale Komponente: Frauen weltweit erkannten, dass die Unterdrückung im Iran ein Extremfall eines universellen Musters ist – der staatlichen Kontrolle über weibliche Selbstbestimmung.
Warum sind diese Beispiele wichtig?
Diese Bewegungen verdeutlichen zwei Dinge:
1. Vielfalt: Feminismus bedeutet im Amazonas-Regenwald etwas anderes als in Teheran oder Paris.
2. Vernetzung: Trotz der Unterschiede inspirieren sich diese Bewegungen gegenseitig. Wenn Frauen in Argentinien für das Recht auf Abtreibung kämpfen (die „Grüne Welle“), nutzen Aktivistinnen in den USA heute deren Symbole und Strategien.
Fakten gegen Mythen
Globaler Feminismus ist kein „Exportartikel“ des Westens, sondern ein Mosaik aus vielen regionalen Kämpfen, die sich gegenseitig stärken.
Der globale Feminismus nutzt die Forschung als Waffe gegen die „natürliche Ordnung“ der männlichen Dominanz. Er beweist: Die Welt ist nicht deshalb so gewalttätig und instabil, weil es keine andere Lösung gibt, sondern weil die Perspektive der Hälfte der Menschheit systematisch unterdrückt wird.
Die Forschungsergebnisse nehmen der männlichen Hegemonie die moralische und sachliche Legitimation. Sie zeigen, dass das aktuelle System unter Fink, Musk und Xi Jinping nicht „effizient“ ist, sondern hochgradig dysfunktional und riskant für das Überleben der Spezies.
München, Dr. Corina Toledo
Männliche Dominanz und ihre Folgen für Frauen und Kinder – sozial, digital, ökologisch und global.
Männliche Dominanz zeigt sich in der ungleichen Verteilung von Macht in Politik, Wirtschaft, Recht und Technologie. Diese Machtverhältnisse sind historisch gewachsen und prägen bis heute, wessen Interessen zählen – und wessen nicht.
Für Frauen bedeutet das strukturelle Benachteiligung: ökonomische Abhängigkeit durch ungleich verteilte Sorgearbeit, unzureichender Schutz vor Gewalt und eingeschränkte Selbstbestimmung über den eigenen Körper. In digitalen Räumen verstärken sich diese Muster. Technologien, die in männlich dominierten Kontexten entstehen, reproduzieren bestehende Ungleichheiten und schaffen neue Formen von Ausschluss und digitaler Gewalt.
Diese Dominanz ist zudem eng mit einer Logik der Ausbeutung verbunden – gegenüber Mensch und Natur. Wirtschaftliche Systeme, die auf maximale Verwertung ausgerichtet sind, verschieben ihre Kosten auf die Schwächeren: Umweltzerstörung, prekäre Arbeitsbedingungen und globale Ungleichheit treffen besonders häufig Frauen und Kinder. Armut und Gewalt haben ein weibliches Gesicht!
Rassismus ist dabei kein getrenntes Problem, sondern eng verflochten mit diesen Strukturen. Er bestimmt mit, wer Zugang zu Ressourcen, Sicherheit und Teilhabe hat – global wie lokal. Besonders Frauen und Kinder aus marginalisierten Gruppen sind mehrfach betroffen: durch ökonomische Ausbeutung, geringeren Schutz und eingeschränkte Chancen. Auch in digitalen Systemen zeigen sich diese Verzerrungen, etwa durch diskriminierende Daten oder algorithmische Vorurteile.
Kinder wachsen in diese komplexen Machtverhältnisse hinein. Sie übernehmen soziale Rollenbilder, sind digitalen Einflüssen ausgesetzt und tragen die Folgen ökologischer und sozialer Krisen. Ungleichheiten werden so nicht nur weitergegeben, sondern oft verstärkt.
Wichtig bleibt: Diese Verhältnisse sind kein einheitlich gesteuertes System, sondern das Ergebnis historischer Entwicklungen und institutioneller Strukturen. Gerade deshalb sind sie veränderbar – auch wenn Veränderung Zeit, Druck und gesellschaftliches Engagement erfordert.
Männliche Dominanz wirkt heute vielschichtig und ist eng verflochten mit Ausbeutung, digitalen Machtstrukturen und Rassismus. Diese Systeme stabilisieren sich gegenseitig – aber sie sind nicht unveränderlich. Ihre Überwindung beginnt damit, ihre Zusammenhänge klar zu benennen und konsequent zu hinterfragen.
München, Dr. Corina Toledo
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