Chile

Politikwissenschaftlerin, Mitorganisatorin der Ausstellung

Sich auf das brisante Thema von Revolutionen in der Kunst einzulassen, ist sicher kein leichtes „wertneutrales“ Unterfangen. Dennoch bin ich als Politikwissenschaftlerin immer bemüht, so objektiv wie möglich zu sein. Als promovierte Feministin fällt mir wiederum leicht zu behaupten: Revolutionen waren und sind der blutige „Schauspielplatz“ von Männern, deren Opfer meistens Frauen und Kinder sind. Ob General, Caudillo, Patriot, Anführer, Held oder moderner „Contractor“,  alle haben Revolutionen – ohne Frauen oder gar gegen sie gemacht – geplant und durchgeführt . Selten spielten Frauen eine Rolle und wenn ja, dann im Schatten der großen Caudillos. Neben einem männlichen Heldentum haben bis jetzt Revolutionen Elend, Gräber oder – teilweise unwiederbringliche – Zerstörung der Natur, Architektur, Malerei, etc. gebracht. In Chile (nicht nur 1973) stand die sozialistische Revolution unter der demokratisch gewählten Regierung Allende unter der geopolitischen Perspektive, Lateinamerika sei der „Hinterhof“ der USA, basierend auf der noch heute gültigen Wahrnehmung der „White Supremacy“, also der selbsterklärten Vorherrschaft der „weißen“,  europäischstämmigen Bevölkerungsgruppe über alle anderen Völker dieser Erde.

Und jegliche Revolutionsversuche, sich zur Wehr zu setzen, werden systematisch direkt oder indirekt, auch mit dem hoch entwickelten Waffenarsenal bekämpft. Aus dieser patriarchatskritischen Perspektive vertrete ich die These: Die Revolution der Frauen steht noch aus – eine Revolution, die sich am Leben orientiert, Leben zu spenden und Leben zu erhalten, im Einklang mit der Pachamama, sofern die Muttererde noch den „Biozid“ überlebt. Entlang dieses Reflexionsprozesses begleitet mich die Malerei.