Italien

Beuys:  Jetzt müssen wir allerdings über Revolution sprechen. Was wir bisher als Revolution hatten, waren keine solchen. Das waren Putsche, usurpatorische, erzkonservative Vorgänge.

Kounellis: Für mich war Picasso ein Revolutionär.

Beuys: Einverstanden.

Kounellis: Das genügt, um die gesamte Revolution zu retten. Das genügt für diesen Tisch.

Beuys: Das genügt nicht, Picasso konnte ja nicht verhindern, dass es weiterhin Mord und Totschlag gab.

Kiefer:….eine Revolution in der Kunstgeschichte ist etwas Virtuelles in Bezug auf das, was in der Gesellschaft geschieht oder geschehen soll. Die Kunst kann nicht die Gesellschaft revolutionieren. Sie ist der Vorschein dieser Revolution. (Basel, 28/29 Oktober 1985, Gespräch zwischen Joseph Beuys, Jannis Kounellis, Enzo Cucchi, Anselm Kiefer und Jean-Christophe Ammann)

Der Maler ist ein Wächter und Schöpfer von Werten, der Maler ist subversiv oder, besser gesagt korrosiv, weil durch ihn soziale, politische Ergebnisse filtriert und verdaut werden, um eine neue Interpretation von den Dingen zu schaffen. Kunst schafft kulturelle Identität und nur durch zahlreiche Diskussionen, zwischen Künstlern können auch revolutionäre kulturelle-Prozesse entstehen. Sind Fede Galizia oder Tina Modotti Revolutionärinnen gewesen? Zwei Frauen, zwei Epochen, zwei  neue Interpretationen der Realität. Sie haben nur einen Weg gezeigt, den es früher nicht gab. Das heißt für mich „Kunst und Revolution“.