„Internationale Frauensolidarität“ – Keine Gewalt an Mädchen und Frauen

In der Gruppenausstellung wirken lokale Künstlerinnen aus diversen Kulturräumen und Kunstrichtungen mit. Die Ausstellung ist somit interdisziplinär, interkulturell, partizipativ und somit integrativ. In diesem Sinne versteht sich das Konzept als ein Denk- und Begegnungsprojekt.

All das Gelebte, Gefühlte oder Gedachte, das in den unterschiedlichen Werken zum Ausdruck kommt, können die BesucherInnen plastisch in Bildern, Musik, Lesungen, Vorträgen, Skulpturen oder Film sehen, wahrnehmen und fühlen. Zudem werden Expertinnen eingeladen, welche die Thematik aus diversen Fachrichtungen reflektieren und damit aus ihrer Perspektive ergänzen. Gruppenführungen sollen das Publikum motivieren, sich aktiv einzubringen. Den Werken gemeinsam ist das Bestreben, die Ursachen der Gewalt an Mädchen und Frauen aufzudecken und dem Publikum in der künstlerischen Verarbeitung zu vermitteln.

Frauen auf der Flucht erleiden heute überall geschlechtsspezifische Gewalt, nicht nur im Krieg, nicht nur in den Flüchtlingsheimen hier bei uns. Die Friedensmissionen der Vereinten Nationen werden als „Beschützer“ zu den Krisenregionen gesendet, doch ausgerechnet von denen werden oft Frauen sexuell ausgebeutet oder missbraucht. Es gibt Fälle, wo die Blauhelme Nahrung und Medikamente gegen Sex tauschten – ein Drittel der sexuellen Übergriffe fand sogar auf Minderjährige statt. Gegen mehr als 300 Teilnehmer an Friedensmissionen wird heute noch wegen Vorwürfen sexueller Ausbeutung oder Missbrauchs ermittelt. Weltweit sind etwa die Hälfte aller Flüchtlinge Mädchen und Frauen, derzeit also rund 30 Millionen. Leider gehören systematische Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen zu den erklärten Kriegsstrategien.

Wir möchten dazu beitragen, dass die Debatten und Politik frauensspezifische Fluchtgründe reflektiert, sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht selten als ein politisches Instrument angewandt wird oder Flüchtlingsheime nach Geschlechtern die Regeln sein sollten. Dazu kommt noch, dass jeder zu wissen meint, was ein Flüchtling ist. Doch über Ursache und Wirkung von Flucht und über die damit verbundenen Zusammenhänge wird kaum debattiert. Mit diesem Projekt möchten wir das ändern. In diesem Sinne führe ich im Kunstbereich die Frauenforschung weiter.   Einen Ausstellungskatalog und einen Kurzfilm werden die Ausstellung dokumentieren. Die Vernissage wie auch die Finissage sollten musikalisch oder mit einer anderen Veranstaltung begleitet werden.   Mitwirkende Künstler*nnen: Ava Serjouie-Scholz (Iran) mit einer Installation, Silan Kurban (Igurien) mit einer Lesung, aber auch mit zwei Filmen, die während der Ausstellung laufen würden, Corina Toledo (Chile) mit Bildern, Gloria Gans (Deutschland) mit Bilder, Esther Enahoro (Nigeria) mit einer Perfomance, die zeigt, was Flucht für eine bedeutet. Fauzia Minallah (Pakistan) wird mit einem selbstgemalten Tuch „Mein Vielfärbige Schal des Friedens“ vertreten sein. Dr. Ariane Hagl (Deutschland/Italien) leitet eine Malaktion. Björn Jensen (Deutschland) als Filmproduzent zeigt der Film „Vergessen Sex Sklaven“, also über Frauen, die den Soldaten in Japan während des 2. Weltkrieges sexuell bedienen mussten. Die in Bolivien bekannte Manina Lara zeigt ihre Bilder sowie auch Rita Mascis (Italien). Wahida Samada aus Afghanistan erzählt nicht nur ihre eigene Fluchterfahrung mit ihrer Familie, sondern auch ihre Arbeit im Ministerium im Afghanistan.

Ich bin der Meinung, dass die Teilnahme an solchen gemeinschaftlichen Aktivitäten und Interaktionen die Integration und Partizipation in der neuen Gemeinschaft fördert. So besteht die Möglichkeit, dass jede Person sich – ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Klasse, Rasse oder ihres Alters – entfalten kann. Das Projekt möchte ferner darauf hinweisen, dass die individuelle Persönlichkeit eines jeden Menschen von Werten und Lebensvorstellungen geprägt ist. Daher ist es mir wichtig, dass jeder und jedem – unabhängig von Bildung, Herkunft und sozialer Stellung Zugang zu Kunst und Kultur haben kann, über brisante Themen in einer innovativen und dynamischen Form zu reflektieren! Wicht ist es auch zu erfahren, wer und von wem auf welcher Ebene repräsentiert wird, wer über finanziellen Ressourcen verfügt und darüber entscheidet oder wie und wofür die finanziellen Ressourcen verwendet werden. Denn auch Kunst agiert im kapitalistisch-patriarchalischen System, wo nicht wenige Menschen, oft mit Gewalt raus gehalten werden.

Der 100. Jahrestag der Einführung des Wahlrechts für Frauen ist meiner Meinung nach ein historisches Datum, um die Sichtbarkeit der Arbeit und Leistung von Mädchen und Frauen, auch der Migrantinnen in der deutschen Gesellschaft, zu erhöhen, ja gar als festen Bestandteil der deutschen Frauenbewegung hervorzuheben. Frauen haben zwar bis jetzt einiges erreicht im Kampf gegen frauenfeindliche Strukturen. Doch dabei ist zu konstatieren, dass die bisherigen der Frauenbewegung in Gefahr zu sein scheinen.

Dazu kommt noch, dass die #Aufschrei oder #MeToo-Debatte jedoch erneut deutlich macht, dass Gewalt gegen Mädchen und Frauen ein weltweites Phänomen ist, ein zutiefst strukturelles Problem, egal wo frau hinschaut.

Dieses Projekt soll dazu beitragen, zu klären, weshalb physische oder psychische Übergriffe überwiegend von Männern ausgehen. Hat das mit der gesellschaftlichen Verteilung von Macht zu tun? Hat das immer noch mit den tradierten Rollenbildern von Mädchen und Frauen zu tun? Wieso ist es heute noch so, dass Sexismus, sexuelle Gewalt, sexuelle Ausbeutung und Diskriminierung noch immer zum Alltag von Frauen gehören? Wie konnte der deutsche Rechtstaat Prostitution sogar legalisieren anstatt

ewalt gegen Frauen ist nach der EU „eines der verbreitetsten Verbrechen dieser Zeit“.

Ich bin als Autorin dieses Projekts fest davon überzeugt, dass solche Debatten notwendiger als je zuvor sind. Jedes Schweigen, das gebrochen wird, ist ein Schritt in Richtung Aufklärung, ein Schritt hin zu einer egalitären Machtverteilung zwischen Frauen und Männern. Aufklärung kann also kein Klima einer „totalitären Gesellschaft“ schaffen, wie Catherine Deneuve es meint. Wir alle müssen dafür arbeiten, dass ein Leben ohne Gewalt möglich ist, also ein Leben in Würde, Freiheit, Frieden und Sicherheit für alle Mädchen, Jungen, Frauen und Männer – für alle Menschen.

Mit diesen und anderen Fragen befassen wir uns in diesem Projekt und möchten uns darüber mit dem Publikum auseinandersetzen und austauschen.

Die Ausstellung ist in ihrer konzeptuellen Struktur zudem ein Beitrag zur Sichtbarmachung der Geschichte von gleichermaßen Frauen und Migrantinnen. Das Kunstprojekt versteht sich als Anstoß für einen Bewusstseinswandel, ja gar für eine Erneuerung der Geschlechterbeziehungen in dieser Gesellschaft.

In diesem Sinne führt die Ausstellung die Frauenforschung in der künstlerischen Auseinandersetzung weiter, wird durch einen Ausstellungskatalog ergänzt und in einem Kurzfilm dokumentiert. Die Vernissage wie auch die Finissage werden musikalisch begleitet.

Für die Konkretisierung dieses Projekts bedanke ich mich mit den Künstlerinnen ganz herzlich bei allen Personen, Organisationen und Institutionen.

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