Türkei

„Wer bin ich?“ – Die Suche nach der Identität ist in jedem Menschen tief verankert.

Für mich ist Identität ein fortwährender Prozess der eigenen Entwicklung, der sich je nach Lebenssituation ändert und stark an die Gesellschaft gebunden ist. Denn obwohl jeder Mensch ein Individuum ist, gehören wir zu einer Gesellschaft.  Nazim Hikmet: „Leben, einzeln und frei wie ein Baum / und brüderlich wie ein Wald / das ist unser Traum“. Dem schließe ich mich an. Der Begriff der Globalisierung ist auf verschiedensten Ebenen wie Politik, Religion, Kultur oder Wirtschaft unerschöpflich diskutierbar. Ohne Industrialisierung und Verflechtung unterschiedlicher Menschengruppen hätte eine universelle Entwicklung der Weltwirtschaft nie stattgefunden und die Kulturen beeinflusst. Die heutigen Informations- und Kommunikationssysteme machen es uns möglich, unseren Horizont und Blickwinkel zu erweitern. Wir sind nicht mehr dem Mikrokosmos vorgegebener Regeln, Denk- und Verhaltensmuster ausgeliefert. Aus meiner Perspektive hätte ohne Globalisierung meine geistige Entwicklung nicht in diesem Maße stattfinden können.

In der Immigrationsflut der 60er Jahre kamen meine Eltern nach Deutschland und ich kam mit 9 Monaten zu meinen Großeltern. Nach 4 Jahren holten sie mich nach. In eine fremde Umgebung, entwurzelt, mit fremden Menschen und fremder Sprache. Im traditionellen, familiären Umfeld zu funktionieren und mich zugleich in den westlichen Kulturkreis einzufügen, bedeutete für mich, mit Traditionen zu brechen, Grenzen zu überschreiten. Als Frau habe ich Tabuthemen aufgegriffen, wie sexuelle Selbstbestimmung und freie Partnerwahl – ein Spagat zwischen Orient und Okzident. Ich konnte aus beiden Kulturen die für mich richtigen Werte herausfiltern. Ich habe mich dadurch zu einer flexibleren und toleranteren Frau entwickelt. Mit meinen Werken möchte ich die persönliche Entwicklung und Einmaligkeit des Individuums hervorheben, aber auch die Herausforderung annehmen, unterschiedliche Kulturen zuzulassen, um diesen mit mehr Toleranz und Respekt zu begegnen.

Vita:

  •  28.10.1964 in Isparta/Türkei geboren, seit 1968 in Deutschland.
  • 2005 – 2009 Zeichenakademie BFS-Berufsfachschule für Bildende Kunst,Schwerpunkt Portrait Malerei bei Herrn H.F. Schweitzer
  • April 2010 Kunsttherapieausbildung am Kunsttherapie-Institut in München bei Thurid Stewart, Abschluss März 2012

 


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