Deutschland

Mein Blick auf das Thema „Identität in Zeiten der Globalisierung“ ist sehr persönlich und emotional – nicht in erster Linie politisch, sozialkritisch, aktivistisch. Ich erlebe die Globalisierung sehr stark als „Besitz ergreifen“ und „Eingrenzen“. Wenn ich ein Teil der modernen Gesellschaft sein will, muss ich mich über wirtschaftlichen Erfolg und westlich-materialistische Werte definieren. Andere Facetten meiner Identität wie Familie, Heimat und Spiritualität weichen immer mehr auf. Mein emotionales Erbe ist geprägt von Verlust und Besitzdenken und einem Gefühl der Heimatlosigkeit.

Mutter vertrieben, Heimatverlust, Verlust der Kindheit, Verlust der Geschichten und Orte, Verlust des Besitzes, Verlust der Freiheit, zerstörtes Deutschland, gebrochener Stolz, Misstrauen in den Familien, wer war Nazi, welche Personen sind noch würdig, welche Werte können noch gelten. Dann American Way of Life als das neue Glück. „Ein wirtschaftlich erfolgreicher Deutscher ist ein guter Deutscher“. Ich fühle mich gefangen. Ich bin Teil eines Systems, dessen Werte ich nicht in Gänze teile. Doch ich brauche das „Dazugehören“ genauso wie das „Abgrenzen“, um ganz zu sein.

Wo ist der Platz für das Andere? Wo kann ich meine Kreativität und meine Verbundenheit leben? Ich wünsche mir eine Toleranzgesellschaft, die Verschiedenheit wertschätzt und ich möchte einen Beitrag zur Buntheit dieser Welt leisten. Mit meinem Beitrag zur Ausstellung möchte ich darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, Vielfalt zuzulassen und jedem einzelnen Menschen den Nährboden für die Ausprägung seiner eigenen Identität zu geben. Und ich möchte den Blick darauf lenken, dass die Globalisierung uns auch viele Freiräume eröffnet, das Leben bunt und vielfältig zu gestalten und neue Identifikationsmodelle zu schaffen.


www.angela-lenk.de


Vita:

  • 1960 geboren in Naila, lebt und arbeitet in München
  • 1980 – 1987 Studium der Linguistik und Romanistik
  • 1989 – 2010 Marketing Manager bei einem internationalen Konzern
  • 2008 VHS München „Einführung in die Holzbildhauerei“
  • 2009 – 2012 Basisstudium Bildhauerei, Bildhauerhalle Bonn, Paul Advena
  • 2012 – 2014 Aufbauklasse Bildhauerei, Bildhauerhalle Bonn, Paul Advena