Frauen in Zeiten der Corona-Pandemie 2020

Frauen in Zeiten der Corona-Pandemie 2020

Zwischen „systemrelevanten Berufe“ und „Kinderbetreuung und Haushalt“
Einleitung

Ziel der transkulturellen und interdisziplinären Initiative Frau-Kunst-Politik ist es, mit den folgenden Veranstaltungen auf strukturelle und systematische Probleme aufmerksam zu machen, mit denen Mädchen und Frauen in München und Umgebung konfrontiert sind, besonders während der Corona-Pandemie. Auch wenn das Corona-Virus unsere Art zu leben weltweit fast zum Stillstand gebracht und grundlegend verändert hat, sind die Auswirkungen auf Mädchen und Frauen anders und härter – insbesondere auf Migrantinnen und Frauen auf der Flucht. Die Pandemie entwickelte sich mehr und mehr zu einer „weiblichen“ Krise. Existierende Probleme und Ungleichheiten haben sich dramatisch verschärft – in politischen, ökonomischen, kulturellen, psychologischen oder physischen Bereichen.

Einerseits halten „Frauen den Laden am Laufen“, wie die Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte. In den „systemrelevanten Berufen“ zum Beispiel liegt der Frauenanteil bei knapp 75 Prozent. Dies betrifft Krankenpflegerinnen, Ärztinnen, Kassiererinnen, Erzieherinnen, etc. Sie alle mussten und müssen weiterhin mit erhöhtem Infektionsrisiko arbeiten und zugleich die Verantwortung der Sorgearbeit im privaten Bereich übernehmen, wenn Kitas und Schulen schließen. Die Fürsorgearbeit ist überwiegend Frauensache, der Mann geht arbeiten oder ist im Homeoffice. Berufstätige Frauen haben von heute auf morgen viel „home“ und wenig „office“, erfahren wenig Anerkennung und unzureichende ökonomische Entlohnung für ihre Arbeit. Andererseits ist Krisenmanagement scheinbar immer noch Männersache: Das Gremium, das die Bundesregierung in der Corona-Strategie berät, besteht aus 24 Männern und 2 Frauen. Expertinnen waren und sind bis heute kaum in den Massenmedien oder Entscheidungsgremien wahrzunehmen. Franziska Giffey
als Familienministerin ist kaum mit effektiven Lösungsansätzen in Erscheinung getreten. Ebenso unsichtbar sind die Migrantinnen, obwohl sie in den systemrelevanten Berufsgruppen überproportional vertreten sind. Die Schere zwischen Kindern aus sozial privilegierten und benachteiligten (auch migrantischen) Familien hat sich durch die Schulschließungen vergrößert. Die prekären Wohnverhältnisse armer Familien stellen ein massives, teilweise existentielles Problem dar.

Die häusliche Isolation hat zu einer Zunahme häuslicher und sexueller Gewalt für Frauen und Kinder geführt. Mädchen und Frauen sind von der Entlassungswelle wegen der COVID-19 Pandemie anders und härter
getroffen. Dies führt zu einer Vertiefung der „Feminisierung der Armut“ und bei Familien in finanzieller Notsituation ergibt sich nicht selten, dass es in extremen Fällen zu Menschenhandel, Zwangsprostitution, Zwangsheiraten, etc. kommt.

Wir meinen, dass wir aus der Krise lernen sollten und stellen konkrete Forderungen:

  • Im Konjunkturpaket müssen generell die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf Mädchen und Frauen berücksichtigt werden.
  • Statt Beifall fordern wir lebenssichernde Gehälter.
  • Die Arbeit von Beratungsstellen und Frauenhäusern muss dauerhaft sichergestellt werden, oder Hotels und Ferienwohnungen müssen zur Unterbringung bedrohter Frauen und Kinder angemietet werden.
  • Die strukturellen und systematischen Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern müssen abgebaut werden.
  • Die Beschäftigungsverhältnisse in frauendominierten Branchen und die familiäre Sorgearbeit müssen auf jeden Fall auf der Grundlage geschlechtergerechter finanzpolitischer Entscheidungen verbessert werden, da sie ebenso systemrelevant sind wie z.B. die männerdominierte Automobilindustrie.
  • Wir brauchen Maßnahmen gegen die Verarmung von MigrantInnen, damit die Spaltung sich nicht weiter vertieft, und stattdessen die Integration gefördert wird.
  • Auf kommunaler Ebene brauchen wir intensive Vernetzungen und bessere Möglichkeiten für Migrantinnen, sich aktiv zu beteiligen und ihre Rechte bei der Gestaltung der politischen Entwicklungen vor Ort wahrzunehmen.
  • Eine aktive Teilhabe ist fundamental für ein friedliches, soziales, demokratisches Zusammenleben. Nur dadurch können eine gelungene Integration und Partizipation in der neuen Gemeinschaft gelingen.

Für die Unterstützung und Förderung, die wir auf die eine oder andere Weise von unterschiedlichen Personen, (Frauen-)Organisationen oder Institutionen bekommen haben, bedanken wir uns ganz herzlich. Nur so ist es uns möglich, dieses umfangreiche, vielfältige und brisante Programm realisieren zu können.

Schirmpatin: Katrin Habenschaden 

Zweite Bürgermeisterin, Landeshauptstadt München

Termine

23. Oktober 2020 um 18.00 Uhr
Kult9, Blutenburgstraße 71, 80636 München
Vortrag mit Diskussion: Feminisierung der Armut

Weitere Informationen

24. Oktober 2020 um 18.30 Uhr
Gewölbesaal, Mohr-Villa Freimann, Situlistraße 73, 80939 München
Podiumsdiskussion: Frauen mit Migrationsgeschichte in der Kommunalpolitik

7. November 2020, 15.00 bis 17.00 Uhr
Kulturzentrum 2411, Blodigstraße 4, 80933 München
Malaktion mit Mädchen und Frauen

13.November 2020 um 18:30 Uhr
Erdgeschoß, Mohr-Villa Freimann, Situlistraße 75, 80939 München
Vortrag mit Diskussion: Migration spanischer Frauen nach München
und Umgebung

21. November 2020 von 15:00 bis 17:00 Uhr
Performance der chilenischen
Theatergruppe „La Tesis“ „un Violador en tu camino“
Geschwister-Scholl-Platz

4. Dezember 2020 von 14:00 bis 23:00 Uhr
EineWeltHaus, Schwanthalerstraße 80, 80336 München
Kulturelle Enteignung durch Luxus-Modehäuser
Ausstellung und Podiumsdiskussion zu modernem Kolonialismus und Imperialismus

Alle Veranstaltungen finden unter dem Bayerischen Schutz- und Hygienekonzept statt!

Teilnahme bei allen Veranstaltungen nur mit Anmeldung:

info@frau-kunst-politik.de

(Deutsch, Spanisch) M: +49 178 1987355

niunamenosmunich@gmail.com

(Spanisch, Englisch) M: +49 1578 7920131

Wir bedanken uns auch ganz herzlich bei allen Personen, Frauenorganisationen, Institutionen, etc. für die Unterstützung und Förderung.