Ebru Düzgün (EBOW)

Türkei

Rapperin

Sich als junge Frau die Frage zu stellen, wie ich Frauen wahrnehme und wie ich mich selbst wahrnehme, kann ich aufgrund meiner persönlichen Biographie Folgendes sagen: Als Frau in Deutschland in einer türkischer Familie geboren, war es für mich selbstverständlich, dass ich mich immer in zwei kulturellen Räumen bewegt habe. Mein Bewusstsein als Frau ist also geprägt von dem kulturellen Reichtum Deutschlands und dem der Türkei. Mich in der einen wie in der anderen Kultur als Frau zu behaupten, verdanke ich den starken weiblichen Vorbildern, also zunächst meiner Mutter und Großmutter, bei denen ich stets Geborgenheit erfahren, die Fähigkeit zu Lieben und zugleich Zerbrechlichkeit gelernt habe. In der dritten Generation türkischer Gastarbeiter bin ich in München aufgewachsen, mit all den Rechten und Pflichten, die für mich eine Selbstverständlichkeit sind. So gehe ich meine Wege als selbstbewusste Frau, die zur Vielfalt in der Gesellschaft beiträgt. Den einen Weg gehe ich als Studentin der Architektur, und den anderen als Musikerin in der deutschen Hip-Hop-Szene, die überwiegend männlich dominiert ist.

Meine Musik greift unterschiedliche Themen auf, die zum Reflektieren motivieren sollen, auch im Bezug auf die „Wahrnehmung von Frauen“. So zum Beispiel in meinem Song „Quebab“. Darin besinge ich den Kosmos am Hauptbahnhof, den wohl exotischsten Ort, den sich der Münchner in seiner Stadt vorstellen kann, der mit seinen Dönerbuden, Import-Export-Geschäften und afghanischen Supermärkten der klischeehaften Vorstellung einer friedlichen Multi-Kulti-Gesellschaft entspricht. „Daddy fährt Mercedes und Mama ist Putzfrau“, heißt es in dem Song – und dass sie nie mit ihren Freunden ausgehen darf, während die Hälfte ihrer Brüder im Knast sitzt. Das ist das Manifest eines türkischen Mädchens, das sich dank der Musik von ihrer patriarchalischen Kultur emanzipieren konnte. Geglückte Integration eben, denkt sich der Zuhörer und merkt erst im Nachhinein, dass die Überzeichnung der gängigen Klischees ihn seiner eigenen Vorurteile überführt hat.
Denn wenn man Ebow, eigentlich Ebru Düzgün, sieht, versteht man, dass die Texte nur eine Überspitzung darstellen können: Vor einem steht eine junge, selbstbewusste Frau, die langen braunen Haare auf einer Seite abrasiert, der schwarze Blazer lässig hochgekrempelt. Sie weiß, wovon sie spricht: Als Kind türkischer Gastarbeiter wird sie selbst immer wieder mit den selben Vorurteilen konfrontiert: Dass sie ja anders sei als die anderen Türken, sie studiere schließlich und sei auch sonst sehr emanzipiert.

Deshalb, weil ihr die ganze Debatte um geglückte oder missglückte Integration eigentlich gehörig auf die Nerven geht, spielt Ebow in ihren Songs gerne mit diesen Begriffen. Sie nimmt die Vorurteile, die die meisten Menschen gegenüber Ausländern haben, aufs Korn, versucht sie lächerlich zu machen. Die Menschen sind einfach zu verschieden, als dass das Prädikat „Türke“ oder „Deutscher“ allein zutreffend wäre, sagt Ebow.

www.ebowsbazar.com